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§ Epochenbilder und Künstlertypologien sind als Teil der Erinnerungskultur das Ergebnis komplexer historischer Prozesse. Die Kanonisierung kultureller Leitvorstellungen bildet entsprechende Traditionen als verpflichtendes Erbe mit identitätsstiftendem Charakter aus. Traditionsentwürfe zeichnen ganz allgemein Bilder der Vergangenheit für die Gegenwart mit Blick auf die Zukunft. Sie changieren dabei, je nach Standpunkt des Betrachters, zwischen Identifikationsmuster, künstlerischer Inspirationsquelle und historistischer Erstarrung. Die Reflexion über Tradition schließt auch die Phänomene Traditionsbruch und Traditionsnegation ein, die wiederum die Macht eines vorherrschenden Kanons herausfordern.§Formen und Strukturen von Traditionsentwürfen dieser Art gilt das Interesse der Studie, die sich der vielschichtigen literarischen, ästhetischen, kunstphilosophischen, wissenschaftlichen und bildungsgeschichtlichen Auseinandersetzung mit der kulturhistorischen Bedeutung von Antike, Mittelalter und Renaissance im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert widmet. Aus der Perspektive von Literaturwissenschaft, Kultur- und Wissenschaftsgeschichte sowie deren Interdependenzen verfolgt die Arbeit einen interdisziplinären Ansatz und konzentriert sich dementsprechend auf das Netzwerk eines gelehrten und literarischen Diskurses. Sowohl fachinterne wissenschaftliche Schriften und öffentlichkeitswirksame Werke für ein allgemeingebildetes Publikum als auch literarische Texte stehen im Fokus der Untersuchung; sie vermitteln und reflektieren mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden kulturelles Wissen.
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